Warum die extreme Rechte diese Kulturkonzepte nicht verstehen

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Warum sich Faschisten gegen Migration stellen

Einleitung

Die jüngste Versammlung der rechtsextremen Szene in Porto (Portugal) hat es wieder einmal deutlich gezeigt: In den anschließenden Interviews, Debatten und Reaktionen auf social Media wurde reflexartig das Bild von vermeintlich unbezahlbaren Kosten im Sozialsystem gezeichnet, die angeblich durch eine zu hohe Zuwanderung entstehen. Verbunden wird diese Rhetorik fast immer mit einer wissenschaftlich unhaltbaren Ablehnung einer multikulturellen Gesellschaft. Wer sich jedoch intensiv mit Migrations- und Kulturwissenschaften auseinandersetzt, merkt schnell, dass in diesen Kreisen ein massives Defizit an Grundwissen herrscht. Die Ablehnung von Zuwanderung basiert häufig auf der Unfähigkeit, zwischen den verschiedenen Phasen und Formen des Zusammenlebens zu differenzieren.

Leider verbreiten sich diese von Hass und Hetze geprägten Inhalte auf den Social-Media-Plattformen wie ein Lauffeuer und bestärken die vorherrschende Meinung in bestimmten Blasen um ein Vielfaches. Vorangetrieben wird diese Dynamik durch gezielten Populismus und den sogenannten Multiple-Source-Effekt (Quelleneffekt). Durch das permanente, synchrone Wiederholen der immer gleichen Narrative auf unterschiedlichen Kanälen gewinnen diese Behauptungen in der Wahrnehmung vieler Menschen massiv an Glaubwürdigkeit. Das wiederholte Aufkommen derselben Themen in ganz verschiedenen Medien täuscht eine Relevanz und Richtigkeit vor, die sachlich schlicht nicht existiert.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, werden in diesem Beitrag die drei entscheidenden Begriffe verständlich erklärt: **Multikulturalität**, **Interkulturalität** und **Transkulturalität**. So lässt sich nachvollziehen, warum Parteien wie die AfD, Rechtsextreme, Faschisten und Neonazis bereits an der allerersten Stufe der gesellschaftlichen Realität scheitern.


1. Multikulturalität: Das Nebeneinander der Kulturen

Die Multikulturalität bildet die absolute Basisstufe, wenn Menschen – aus welchen Gründen auch immer – mit ihrer Herkunftskultur in ein neues Land wie Deutschland ziehen.Dieser Begriff beschreibt im Wesentlichen ein reines Nebeneinander. Die verschiedenen Kulturen existieren in geografisch und sozial voneinander abgegrenzten Bereichen, sogenannten Enklaven. Das bekannteste weltweite Beispiel hierfür ist *Chinatown*, aber auch Viertel wie *Little Italy*, *Little Istanbul* oder klassische osteuropäische Viertel in Großstädten fallen unter diese Kategorie. Innerhalb dieser Enklaven leben die Menschen weitgehend unter sich. Man kennt sich, teilt die gleiche Sprache sowie Traditionen und hat mit der umgebenden Mehrheitskultur im Alltag nur extrem wenige Berührungspunkte. Es findet keine Vermischung und auch keine Beeinflussung zu den anderen Kulturkreisen statt. Die Grenzen sind hierbei oft sogar räumlich spürbar: In einem Moment bewegt man sich noch durch ein ganz gewöhnliches, hiesiges Stadtviertel – und nur einen Schritt weiter befindet man sich gefühlt in einer völlig anderen Welt.


2. Interkulturalität: Die Stufe der Begegnung und Beeinflussung

Einen Schritt weiter geht die Interkulturalität. Hier bleibt es nicht beim bloßen Nebeneinander, sondern die Kulturen treten aktiv in Interaktion und beeinflussen sich gegenseitig. Die Grenzen zwischen den Lebenswelten beginnen sich hier bereits zu öffnen.Ein klassisches Beispiel, das jeder aus dem eigenen Alltag kennt, sind Dönerläden, asiatische Restaurants oder rein griechische Lebensmittelgeschäfte. Diese Angebote beeinflussen die tägliche Entscheidung, was auf den Teller kommt. Gleichzeitig bleibt dieser Austausch keine Einbahnstraße: Auch die Gastronomen und Ladenbetreiber passen sich an das lokale Umfeld an. Deshalb finden sich auf den Speisekarten oft Gerichte, die speziell auf den hiesigen Geschmack zugeschnitten sind, oder es werden sogar typisch deutsche Beilagen angeboten. Zur Interkulturalität gehört auch, dass die räumliche Trennung der Enklaven aufgebrochen wird. Die Betreiber dieser Restaurants und Geschäfte leben in der Regel längst nicht mehr isoliert in ihren Vierteln, sondern sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Und als wichtiger Nebenfakt: Auch die Ehe zwischen Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen ist ein klassisches Merkmal der Interkulturalität. Ebenfalls zur Interkulturalität gehört das Heiraten von Personen mit unterschiedlichen Kulturkreise.


3. Transkulturalität: Die Entstehung von völlig Neuem

Die nächste und intensivste Stufe ist die Transkulturalität. Hier kommt zu den Aspekten der Abgrenzung und der gegenseitigen Beeinflussung eine völlig neue Dimension hinzu: die tiefgreifende Durchmischung und Hybridisierung der Gesellschaft. Kulturen existieren hier nicht mehr als getrennte Einheiten, sondern vermischen sich zu neuen Lebensformen. Ein wunderbares und sehr anschauliches Beispiel hierfür ist die Geburt eines Kindes, dessen Eltern aus zwei unterschiedlichen Kulturkreisen stammen – wenn beispielsweise eine Person mit deutscher Kultur eine Person mit chinesischer oder türkischer Kultur heranzieht. Das Kind wächst in einer transkulturellen Realität auf. Es wechselt nicht bloß zwischen zwei Welten, sondern verbindet beide Identitäten zu einer ganz eigenen, neuen Einheit.bEin anderes, kulinarisches Beispiel, mit dem die meisten wohl eher nicht rechnen: die Pizza Hawaii! Was auf den ersten Blick banal wirkt, ist eine hybride Neuverknüpfung unterschiedlicher Kulturen. Sie kombiniert ein italienisches Teiggericht mit einer Frucht, die stark mit der amerikanischen Südsee-Kultur assoziiert wird, und wurde ironischerweise in Kanada erfunden. Genau wie das neugeborene Kind zweier kulturell unterschiedlicher Eltern stellt diese Pizza eine völlig neue, transkulturelle Kreation dar.


Der Realitätscheck dem rechtsextreme ignorieren

Wirtschaftliche Säulen und kritische Infrastruktur abseits der theoretischen Begriffe lohnt sich ein Blick auf die nackten Fakten der gesellschaftlichen Realität. Die rechtsextreme Rhetorik suggeriert oft, Migranten würden das System lediglich belasten. Das Gegenteil ist der Fall: Menschen mit Migrationsgeschichte halten Deutschland am Laufen. Sie arbeiten in zentralen Bereichen der kritischen Infrastruktur – im Pflegebereich, in Altenheimen und in Krankenhäusern würde die Versorgung ohne sie schlichtweg kollabieren. Darüber hinaus sind sie ein unverzichtbarer Teil des Wirtschaftskreislaufs. Sie gehen regulärer Arbeit nach, zahlen Einkommensteuer und tragen durch Sozialabgaben zur Sicherung der Renten bei. Selbst im reinen Alltag ist jeder Einkauf ein Beitrag zum Staatshaushalt, da bei jedem Konsum die Mehrwertsteuer direkt an den Staat fließt. Sollten die extremistischen Forderungen Realität werden und Menschen mit Migrationsgeschichte massenhaft die deutsche Staatsbürgerschaft oder ihr Aufenthaltsrecht verlieren, hätte das katastrophale Folgen. Dem Land würden auf einen Schlag Millionen/Milliarden an Steuereinnahmen wegbrechen und der bereits akute Fach- und Arbeitskräftemangel würde zu einem sofortigen Stillstand in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Transportbetrieben führen.


Fazit und Ausblick

Es ist stark davon auszugehen, dass denjenigen, die Multikulturalität, Interkulturalität, Transkulturalität und das Zuwandern von Menschen generell ablehnen, diese wissenschaftlichen Konzepte und die realwirtschaftliche Bedeutung überhaupt nicht bekannt sind. Wie eine aktuelle Analyse zeigt, greift die pauschale Ablehnung von Zuwanderung völlig zu kurz, da sie sowohl die bereichernden Prozesse von Kulturkontakten als auch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Gesellschaft ignoriert. Kultur und Wirtschaft sind keine starren Gebilde, die man isolieren kann – sie leben von Austausch, Beteiligung und Zusammenarbeit.

Du siehst also: Die politische Aussage, sich pauschal gegen eine multikulturelle Gesellschaft zu stellen, ist bereits auf der theoretischen Grundlage des eigentlichen Begriffs „Multikulturalität“ völlig widersprüchlich. Da Kulturen auf dieser ersten Stufe ohnehin weitgehend in sich geschlossen agieren, existieren extrem wenige bis gar keine Berührungspunkte mit den restlichen Kulturkreisen, vor denen man Angst haben müsste. Gleichzeitig lässt sich klar aufzeigen, dass migrierte Menschen – völlig egal, ob sie in einer Enklave leben oder nicht – durch ihre alltäglichen Ausgaben, Abgaben und die geleistete Arbeit dem gesamten Sozial- und Steuersystem direkt zugutekommen.

Hoffentlich konnte dieser Text einen verständlichen Einblick in die verschiedenen Kulturkonzepte und ihre Bedeutung bieten. Wenn du etwas Neues gelernt hast, dir dieser Content gefällt und du in Zukunft mehr zu solchen Themen lesen möchtest, hinterlasse gerne deine Gedanken und konstruktive Kritik im Kommentarbereich!



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