Kostenfalle und Fake-Account erkennen

Die Sehnsucht, einen Partner oder eine Partnerin zu finden, nutzen unseriöse Anbieter und Betrüger gezielt aus, um Profit zu generieren. Während Dating-Apps und Portale längst zum Alltag gehören, wächst mit der Popularität auch die Professionalität von Fake-Profilen und intransparenten Geschäftsmodellen. Dabei gilt es jedoch zu differenzieren: Nicht jedes Dating-Angebot ist von vornherein unseriös, und die Motive hinter Täuschungsversuchen variieren stark.​

Einerseits existieren Profile, die aus rein privaten Motiven – etwa zur persönlichen Belustigung oder aus Langeweile – erstellt werden, um Singles hinters Licht zu führen. Andererseits steht die weitaus problematischere Kategorie der kapitalistischen Täuschung durch die Plattformbetreiber selbst. Hierbei handelt es sich um eine bewusste Strategie, bei der die Hoffnung der Nutzer auf eine Partnerschaft systematisch monetarisiert wird.

Die dunkle Seite der Datingplattformen, Gemini, 2026

In diesem Beitrag liegt das Augenmerk primär auf der absichtlichen Ausbeutung seitens der Betreiber sowie auf den Warnzeichen, mit denen sich solche Täuschungsversuche frühzeitig entlarven lassen. Das Wissen über die Herangehensweisen und Erkennen dieser Taktiken kann Euch davor schützen, nicht nur Euer Herz zu schützen, sondern auch den Geldbeutel zu schonen.


Quellen, Wissen und eigene Erfahrung

Warum ich mich so gut mit den Tricks auskenne? ​Meine Perspektive kommt nicht nur aus trockener Theorie aus dem Studium zum Kultur und Medienpädagogik. Ich habe mich intensiv mit den Dynamiken des digitalen Datings beschäftigt. Durch viele Recherchen und das aufmerksame Beobachten von Berichten – etwa in kurzen Videoclips von Nachrichtenagenturen oder auf spezialisierten Internetseiten – konnte ich ein detailliertes Bild der Funktionsweise von Dating-Apps und Plattformen entwickeln. Dabei fließt natürlich auch die eigene, leider schmerzliche Erfahrung mit und durch Datingplattformen mit in die Analyse ein. Man lernt bekanntlich oft aus Fehlern. Dieses Zusammenspiel von Recherche, Wissen, Medienkompetenz und persönlichem Erleben macht die hier beschriebenen Warnzeichen besonders relevant und praxisnah.


Die Perfektion der Illusion im Liebeschat

Ein wesentliches Problem bei der Identifizierung von Fake-Profilen besteht darin, dass die Täuschung zu Beginn fast nie offensichtlich ist. Im Gegenteil: Oft handelt es sich zunächst um eine ausgesprochen nette, aufmerksame und scheinbar tiefgründige Unterhaltung. Die Algorithmen und geschulten Moderatoren hinter diesen Profilen verstehen es exzellent, auf die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Nutzer einzugehen. Es entsteht schnell das Gefühl einer besonderen Verbindung, die den Eindruck erweckt, sich zu einer echten Partnerschaft oder zumindest einem realen Treffen entwickeln zu können.

Diese emotionale Involvierung ist von den Plattformbetreibern kalkuliert; sie dient als psychologisches Fundament, um die Hemmschwelle für spätere Zahlungen zu senken. Erst wenn die emotionale Bindung gefestigt ist, treten die kommerziellen Absichten in den Vordergrund.

Bei dem Thema der bezahlpflichtigen Features wiederum muss wieder etwas weiter differenziert werden. Auf einigen Plattformen ist das Senden von jeder einzelnen Nachricht kostenpflichtig. Hierzu wird meistens eine Plattform interne Währung als Gutschrift verwendet. Am Anfang besteht meist ein anfängliches Kontingent an Gutschrift/Coins, um direkt andere User finden und anschreiben zu können. Bezahlpflichtig werden teilweise auch die Entfernung der von der Plattform unkenntlich gemachten Verschleierung der Userbilder, aber auch das Versenden von Geschenken in Form von kleinen Animationen oder vordefinierten Stickern.

Die Ziele einer Chatmoderation

Die Moderatoren schlüpfen in eine fiktive Rolle, dies muss Euch klar werden. Die Aufgabe besteht darin, neue Chatunterhaltungen zu eröffnen, den Dialog aktiv zu halten und die Illusion aufrechtzuerhalten, mit einem realen, potenziellen Partner zu kommunizieren. Dabei werden oft Protokolle befolgt, die genau festlegen, welche Themen und Intimitäten angesprochen werden, basierend auf den Vorlieben und getätigten Aussagen des Nutzers. Neben diesen Aufgaben gehört es ebenfalls dazu, bei einer längeren Schreibpause den Kontakt erneut anzuschreiben oder anstupsen. Dies geschieht mit dem Ziel, dass vorhandenes Guthaben weiter aufgebraucht wird. Reicht das Guthaben nicht mehr aus, um zu antworten, müssen neue plattformspezifische Währungen nachgekauft werden, was den Betreibern solcher unseriösen Plattformen kontinuierlich weiteren Umsatz generiert.


Preischaos und die Unvergleichbarkeit

Unvergleichbarkeit der Angebote, Gemini-2026

Ein wesentliches Merkmal vieler Portale ist die bewusste Verschleierung der tatsächlichen Kosten durch ungleichmäßige Paketstrukturen. Anstatt einen festen Preis pro Nachricht festzulegen, arbeiten Betreiber oft mit künstlichen Währungen, deren Wert je nach Paketgröße schwankt.

​Da die Coins oder Credits in krummen Mengen angeboten werden – beispielsweise 35 Münzen für 10,99 € oder 195 Münzen für 55,99 € via Google Pay – ist ein direkter Preisvergleich ohne detaillierte Berechnung kaum möglich.​Erschwerend kommt hinzu, dass die Preismodelle je nach Bezahlmethode unterschiedlich sind; beispielsweise könnten 160 Münzen für 34,99 € über Kreditkarte und 420 Münzen für 89,99 € ebenfalls angeboten werden, was den Vergleich nahezu unmöglich macht.

Pakete / Methode Gesamtpreis Preis pro Währung
35 Coins (GooglePlay)10,99€0,31€
195 Coins (GooglePlay)55,99€0,29€
160 Coins (Kreditkarte)34,99€0,22€
420 Coins (Kreditkarte)89,99€0,21€
Preise und Pakete in der Gegenüberstellung

Diese Strategie zielt darauf ab, den Nutzer daran zu hindern, den realen Geldwert einer einzelnen Interaktion (wie das Versenden eines Stickers oder einer Nachricht) sofort zu erfassen. ​Oft suggerieren größere Pakete eine Ersparnis, die bei genauerem Nachrechnen jedoch minimal ist oder durch die schiere Menge an benötigten Coins für eine einfache Antwort wieder zunichtegemacht wird. Wer hier nicht aufpasst und die Kosten pro Nachricht konsequent im Kopf überschlägt, läuft Gefahr, unbemerkt weit mehr auszugeben, als ursprünglich geplant.​


Warnzeichen auf die Ihr Acht geben müsst

Wie bereits erwähnt, fällt ein Bot, KI oder ein moderierter Chat nicht immer gleich auf. Es gibt allerdings Auffälligkeiten auf die Ihr achten könnt:

  1. Nach mehreren Tagen des Schreibens wollt ihr auf eine andere Plattform wechseln. Z.B.: WhatsApp oder Facebook bzw. auf den Messenger von Facebook, aber der Chatpartner/Chatpartnerin versucht Euch hinzuhalten. Entweder es ist zu „früh“ zum Wechseln, oder „ich habe kein Facebook“ oder mit der Aussage „lass uns doch hier bleiben“. Dies kann Bequemlichkeit sein, aber auch der Skepsis geschuldet sein, dass die eig. Handynummer noch nicht ausgetauscht werden möchte, oder Bedenken bez. Datenschutz wären denkbar. Wenn Ihr aber offenlegt, dass Euch das bezahlen (Coins/Credits) der einzelnen Nachrichten oder Features zu teuer wird, dann aber immer noch Ausreden kommen oder keine Einsicht bez. dem Kostenfaktor herrscht, solltet Ihr misstrauisch werden. Hinterlasst eine Kontaktmöglichkeit und wartet, ob die Person sich vll. doch auf der anderen Plattform meldet.
  2. Ihr habt im Chat verdeutlicht, dass Ihr Euch das Schreiben nicht mehr länger leisten könnt und brecht den Kontakt mit dem Hinweis darauf ab. Nach einiger Zeit meldet sich der Chatpartner wieder mit z.B.: einer Begrüßung, die den Eindruck erweckt das nichts gewesen sei oder die finanzielle Begründung einfach ignoriert wurde. Auch eine „anstupsen“ (Erinnerung an: haste mich vergessen) nach einigen Tagen ist auffällig. Dies könnte ein Anzeichen für eine Chatmoderation sein und gleichzeitig ist es denkbar, dass eine Ablösung stattgefunden hat. Dem „neue“ Gesprächspartner liegen evtl. die letzten Nahrichten nicht vor oder hat den Sinn für den Abbruch nicht verstanden.
  3. Ein relativ eindeutiges Warnzeichen ist das zurückschreiben zu „unchristlichen Zeiten“. Stellt Euch vor, Ihr könnt nicht schlafen und schreibt dem Partner/Partnerin um 03:30 Uhr eine Nachricht. 10 Min. (lasst es auch ca. 30 Min. sein) später kommt gegen allen Erwartungen eine Antwort. Dies ist extrem verdächtig, da die meisten Menschen um so einer Uhrzeit (wenn nicht gerade diese Person Nachtschicht hat) normalerweise schlafen. Ihr müsst wissen und verstehen, dass moderierte Chats im Schichtsystem sich abwechseln und genau Protokoll darüber geführt wird, was Ihr (nicht) mögt und welche Vorlieben Ihr habt. Ebenfalls wurden auch alle Themen und Antworten und alles was Ihr von Euch preisgegeben habt notiert. Egal wie privat und intim diese Informationen auch waren.
  4. Keine Ergebnisse bei einer Bilder-Rückwärtssuche könnte ein Indiz für die perfiden Machenschaften sein. Aber wohl eher liegen die fehlenden Ergebnisse eher an der Privatsphären-Einstellung der jeweiligen Plattformen. Es ist also kein Garant für ein Fakeprofil. Auch ist es denkbar, dass diese Bilder eher spontan aufgenommen und hochgeladen wurden. Positiv und somit gegen eine „unechte Person“ würden Treffer sprechen, die diese Person auf anderen Bildern bei Freizeitaktivitäten oder Festivals zeigen. Diese Personen können anhand von charakteristischen Merkmalen wie Tattoos, Schmuck oder körperlichen Merkmalen erkannt werden.
  5. Extrem auffällig (und dies fällt schon am Anfang einer Konversation auf) ist die Papageien-Taktik. Die von dir erhaltenen Antworten spiegeln deine Antwort mit einer leicht umgestellten Grammatik wieder. Du hattest z.B.: berichtet, dass deine Katze heute im Garten einen Vogel gejagt hatte und du daraufhin zum Tierarzt gehen musstes (ist nur ein Imaginäres Beispiel). Als Antwort wurde dir zurückgeschrieben: „Also hat sie einen Vogel gejagt und du musstest zum Tierarzt gehen“. Die Antwort hat weder einen Nährwert noch zeigt diese Interesse am Wohl des Tieres oder den Kosten etc. Dies deutet auf KI generierten Inhalt hin, die die Bedeutung oder Tragweite des Vorfalls nicht begriffen hat oder empathisch darauf reagieren konnte.

Der Fairness halber muss man noch einmal klarstellen: Nicht alle Plattformen haben betrügerische Absichten, doch du musst dir beim Abschluss von einem Abonnement im Klaren sein, worauf du dich einlässt. ​Insbesondere bei Features wie dem Bezahlen per Credits oder Coins pro gesendeter Nachricht, pro Anstupsen oder Sticker, kann das Guthaben relativ schnell verbraucht werden. In der heutigen Zeit, durch gespeicherte Kreditkarteninformationen im Browser, durch Autofill von Formularen und durch One-Click-Buying (z.B.: PayPal, Google Play-Bezahlung, Apple Pay), kann die Bezahlung relativ schnell abgeschlossen sein, wodurch du schnell die Übersicht über deine Ausgaben verlierst und immense Summen sich anhäufen können.


Fazit: Wachsamkeit und Medienkompetenz als bester Schutz

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Welt der bezahlten Chats sich als eine gefährliche Mischung aus technischer Perfektion und psychologischer Manipulation darstellen kann. Wie in verschiedenen Fachartikeln und Analysen zu Online-Betrugsmustern (vgl. Fachzeitschrift für digitale Ethik, Verbraucherschutz oder Online-Videokanäle) dargelegt wird, ist das Ziel unseriöser Anbieter von Dating-Plattformen stets die maximale Gewinnmaximierung durch die Aufrechterhaltung fiktiver Dialoge. ​Man muss sich daher beim Abschluss eines Abos oder dem Kauf von Coins immer im Klaren darüber sein, wie schnell sich die Kosten durch moderne Bezahlmethoden wie One-Click-Buy und Autofill etc. summieren können. Die wichtigste Erkenntnis für jeden Nutzer muss lauten: Man muss fähig sein, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Sobald Zweifel an der Echtheit des Gegenübers aufkommen oder die Ausgaben die persönliche Grenze überschreiten, ist das konsequente Beenden der Chats der einzige Weg, um sich vor finanziellem und emotionalem Schaden zu schützen. Wahre Verbundenheit lässt sich nicht durch den Kauf von Credits erzwingen, und ein rechtzeitiger Ausstieg ist kein Verlust, sondern ein Gewinn an Selbstkontrolle.


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